„In Schleswig-Holstein fehlen 1.200 Pflegekräfte“

Ahrensburg – Die Jamaika-Sondierungen sind gescheitert, die SPD lehnt eine große Koalition ab und in Berlin werden die Rufe nach Neuwahlen laut. Ungeachtet dessen ist in Ahrensburg die Diskussion über den Pflegenotstand bereits in vollem Gange. Christine Berg, Leiterin des Ahrensburger Alten- und Pflegeheims Tobias-Haus, hatte die Bundestagsabgeordneten des Wahlkreises Stormarn Süd zu Gesprächen über den Fachkräftemangel eingeladen. Dem sind Norbert Brackmann (CDU) und Nina Scheer (SPD) vergangene Woche nachgekommen.

„In Schleswig-Holstein fehlen schon jetzt 1.200 Pflegekräfte. Die weitere Prognose für 2020 sieht ebenfalls düster aus; bis zu 4.000 Pflegekräfte könnten fehlen“, sagte CDU-Politiker Brackmann unter Berufung auf Zahlen der Bundesagentur für Arbeit bei dem Treffen mit Christine Berg. „Diese Zahlen zeigen, wie sehr sich der Pflegenotstand bereits zugespitzt hat. Um dem entgegenzuwirken, sehe ich auch die Politik in der Pflicht“, so die Heimleiterin.

Auf die Frage, was sie konkret gegen den Fachkräftemangel unternehmen wollten, führten sowohl Brackmann als auch Scheer das bereits in der vergangenen Legislaturperiode verabschiedete Pflegeberufereformgesetz an. Auch bei Aufstiegsmöglichkeiten und Verdienst müsse es Verbesserungen geben, um den Beruf attraktiver zu machen. Dazu, wie die besseren Löhne finanziert werden sollen, machte jedoch keiner der beiden Politiker konkrete Angaben.

Auch die Integration ausländischer Fachkräfte in den deutschen Arbeitsmarkt war ein Thema. „Leider machen es uns bürokratische Hürden bei der Anerkennung ausländischer Abschlüsse schwer, Mitarbeiter mit Migrationshintergrund einzustellen“, betonte Christine Berg. „Ich halte es für notwendig und erforderlich, mit Nachdruck an einem Einwanderungsgesetz zu feilen, das zu unseren Bedarfen in Deutschland passt. Gerade für Branchen, in denen großer Fachkräftemangel herrscht, sehe ich darin eine große Chance“, sagte Brackmann.

Mit ihrem Entwurf für ein neues Einwanderungsgesetz habe die SPD bereits einen Schritt in diese Richtung gemacht, sagte Scheer im Gespräch mit den Mitgliedern des Beirats des Tobias-Hauses Michael Heissenberg und Klaus-Dieter Borchert. „Wir wollen die Einwanderung für Nicht-Akademiker mit Berufsausbildung erleichtern. Um lange Wartezeiten vor der Einreise zu vermeiden, soll es außerdem möglich sein, die Gleichwertigkeit der Fachqualifikation bis zu ein Jahr nach der Einreise feststellen zu lassen, damit Einwandererinnen und Einwanderer sowie Arbeitgeber besser planen können“, so die SPD-Abgeordnete.

Damit die Pflegenden mehr Zeit für Pflegebedürftige haben, setze sich der SPD-Landesverband Schleswig-Holstein zudem für einen gesetzlichen Personalbemessungsschlüssel ein. „Auf der Grundlage von gemeinsamen Pflegegraden soll dieser auch eine bundesweite Personalzuordnung ermöglichen. Zudem muss Pflege insgesamt besser entlohnt werden“, sagte Scheer.

Pressemitteilung als PDF downloaden